Conjunctive Communication in der Partnerschaft – RETREAT im PARADISO INTEGRALE

 Retreat “Conjunctive Communication in der Partnerschaft” :

 Dies ist eine Rückmeldung von Birgitta K. über unser Retreat für Männer und Frauen Anfang Mai diesen Jahres

Die gemeinsamen Frauengruppen früherer Jahre haben mir sehr geholfen, die Wirklichkeit in einem menschenfreundlicheren Licht zu sehen, die eigenen femininen Kräfte bewusst wahrzunehmen und ihre seelischen und sozialen Gestaltungskräfte zu nützen.

Umso schöner fand ich es, dass es auch in der gemischten Gruppe zum Thema Partnerschaft so gut gelungen ist, einen tragenden Raum des Vertrauens aufzubauen und zu halten. So konnte Josef hautnah erleben, was durch Erzählen nicht so leicht vermittelbar ist und wie wir einander im Alltag emotional und kommunikativ unterstützen können. Ich hab es  genossen, dass sich in der Gruppe die innere Tiefe mit so viel Lachen und Humor verbunden hat.

Die Zusammensetzung der Gruppe fand ich sehr schön.

Conjunctive Communication hat ein hohes Potential für ein gedeihliches Zusammenleben, es war gut, dass Hilde im Skype Gespräch einige Aspekte (Ergebnisoffenheit, Fragehaltung, Bereitschaft, auf das Feld zu achten ) nochmal auf den Punkt gebracht hat, das hat’s für mich wiederbelebt.

In der gemeinsamen Arbeit im Paradiso war es für mich wichtig zu erleben, dass manche Verhaltensweisen von Josef nichts mit mir persönlich zu tun haben, sondern wiederkehrende Muster aus seiner Vergangenheit sind – das hat mich entlastet. Die Deep-Listening Übung hab ich in intensiver Erinnerung;  schön und berührend war es, als die eigene Vorstellung der Teilnehmenden vom Partner ergänzt wurde (auch bei mir selbst). Ich fühle mich dankbar und bereichert durch die Seelenarbeit mit dem jüngeren Selbst, ich fand es gut, diesem Prozess bei den Anderen folgen zu können, im eigenen Fall ist es ja aufwühlender, da muss die Klarheit erst errungen werden.

Beeindruckt hat mich, wie Adelheid und Elena klare und fast distanzierte Fragen stellten und zugleich immer das Gefühl von Empathie und emotionaler Wärme vermitteln konnten. Interessant fand ich es, wie uns Mark, der oft die deutschen Worte nicht verstand, seinen Eindruck des Geschehens wiedergab.

Im Gefolge des Wochenendes hat sich in meiner Wahrnehmung ein zärtlicheres Feld eingestellt in der Partnerschaft und eine Wärme, die das Potential hat, sich nicht vom Alltag verschlucken zu lassen. Das unterschwellige Wohlwollen war ja bei uns immer da gewesen, aber nun zeigt es sich mehr in kleinen Gesten und in der Art, wie wir miteinander umgehen. Ich vertraue darauf, dass dieser psychoaktive Prozess weitergeht und glaube, dass ich dadurch auch für die Kommunikation im Außen gestärkt werde.

 

Vielen Dank für ein ereignisreiches, tiefgehendes, lustiges und lukullisch äußerst genussreiches Wochenende!

Workshop Conjunctive Communication in Köln

Conjunctive Communication

verbindende Kommunikation

in der Praxis

Zum Workshop während des Mitgliedertreffens 2014 des „Integralen Forums“ in Köln

Geleitet von Adelheid Hörnlein

Teil 1

Es gibt so viele Formen von Kommunikationsmodellen – warum denn noch ein anderes?

Das ist die Frage, die mir immer wieder begegnet. Aber wer sieht, welcher Schatz in diesem von mir vertretenen Modell verborgen ist, der wird diese Frage nicht mehr stellen. Vielleicht eher die: „wie komme ich dahin?“

Hier geht es nämlich nicht nur um das Befolgen von bestimmten Regeln, sondern vor allem um emotionale Kompetenz. Und die kann man nicht mal grad so eben durch ein paar Regeln lernen, es braucht Zeit und meistens einen erfahrenen Begleiter/in.

Es geht schon los mit der ersten Regel: Eine klare Intention für das Gespräch haben, und zwar in erster Linie für die Beziehung zwischen Dir und dem anderen, nicht etwa wie wir das so gewohnt sind, für das, was wir inhaltlich erreichen wollen. Denn das „erübrigt“ sich geradezu, wenn das Gespräch in einer Atmosphäre von Vertrauen und Freundlichkeit geführt wird.

Bei der 3. Regel wird es richtig spannend: Spreche Deine Wertschätzung für den Gesprächspartner aus, bevor Du über jegliche Inhalte zu sprechen beginnst.

Und hier möchte ich beginnen, über den Workshop zu berichten. Einige Freiwillige erboten sich, im Rollenspiel ein Gespräch zu führen, das sie in der Vergangenheit als schwierig oder gescheitert betrachtet hatten. Es war spannend zu beobachten, wie jeder sofort „zur Sache“ kommen möchte, mit einem mehr oder weniger unterschwelligen Unterton von Dringlichkeit, Forderung oder gar Anklage – was ja beim Gesprächspartner automatisch zu Abwehrreaktionen führt, so weit wissen wir das, wenigstens theoretisch, aus der Psychologie. Und warum tun wir es immer wieder auf diese Weise, obwohl wir es doch eigentlich wissen, dass es nicht sehr dienlich ist? – Weil wir unsere eigenen Emotionen nicht halten können, sie über den anderen ausschütten, ihn als potentiellen Feind sehen usw. Wir haben Schwierigkeiten, zu unterscheiden zwischen dem Menschen, der da vor uns steht, und den Dingen, die wir auf Grund unserer Rollen miteinander besprechen wollen oder müssen.

Das glaubst Du nicht? Dann probiere doch mal selber, zu Anfang eines schwierigen Gesprächs eine tief empfundene Wertschätzung für den anderen auszusprechen. Das Rollenspiel zeigte, wie unendlich schwer das ist. Wenn man so aufgeladen ist mit dem Inhalt und dem Gehört-werden-wollen, dann fällt einem oft überhaupt nichts ein, was am anderen schätzenswert sein könnte,  es ist wie schwarz und weiß, und der andere ist auf der „bösen“ Seite.

Der Shift kann erst dann entstehen, wenn wir aus dem Gefängnis unserer eigenen emotionalen Ladung heraustreten und etwas Positives am anderen sehen können – Ken Wilber sagt ja schon immer: „Nobody is smart enough to be wrong all the time“. Und dann: dieses Positive auch auszusprechen, in positiver Form, ohne „eigentlich“, „vielleicht“ oder „nicht so schlecht“ u.ä.

Das ist eine riesige Hürde, wie wir auch an unseren Rollenspielen sehen konnten. Es fühlt sich „komisch“ an, dem anderen etwas „Nettes“ zu sagen, so dass es als authentisch und vom Herzen kommend verstanden wird, vor allem in Konfliktsituationen.  Vielleicht sind wir in unsrer deutschsprachigen Kultur besonders „bockig“, wenn es darum geht, jemand anderem etwas Positives zu sagen, während wir mit Kritik und Vorwurf schnell zur Hand sind. Das bedeutet nur, dass wir es intensiver üben müssen als möglicherweise andere Menschen von mehr positi ausgerichteten Kulturen. Aber lernen müssen wir es, wenn wir zu befriedigenden Lösungen unserer privaten und öffentlichen Probleme kommen wollen. Wenn es uns gelingt, dem anderen diese Wertschätzung auszusprechen, dann entspannt sich deutlich spürbar die Atmosphäre, eine tiefere Beziehung kann sich entfalten in der auch problematische Dinge besprochen werden können. Die Identifizierung zwischen den Problemen und den Personen ist aufgehoben, wir sind frei, kreativ zu werden und Lösungen gemeinsam zu finden.